iPad Rotation
Bitte drehen Sie Ihr Tablet um die Seite bestmöglich darzustellen.

Trauer

Trauerbewältigung ist immer individuell

Die Trauerbewältigung ist ein sehr persönlicher Weg, den Verlust eines Nahestehenden zu verarbeiten.

Der Tod eines geliebten Menschen löst tiefe Gefühle aus. Oft entstehen auch in der Trauer Emotionen, die dem Betroffenen vorher noch nicht vertraut waren.

In der Wissenschaft finden wir verschiedene Phasenmodelle, die den Verlauf der Trauer beschreiben.

Diese Erklärungen haben aber auch bereits ihre Kritiker gefunden und die Erkenntnisse der empirischen Trauerforschung lassen vermuten, dass Trauerbewältigung nicht in Phasen, sondern in Wellen erfolgt. George A. Bonanno (Professor für klinische Psychologie) forscht seit vielen Jahren auf diesem Gebiet und hat festgestellt, dass Trauernde immer wieder von ihren Gefühlen übermannt werden. Traueremotionen wechseln sich lebhaft ab mit positiven Gefühlen: Die eine Welle kommt und die andere geht.

Die Phasenmodelle der Trauer

Die Schweizer Professorin für Psychologie, Verena Kast, beschreibt den Trauerweg in einem Vierphasenmodell.

1. Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Die Nachricht über den Tod eines geliebten Menschen versetzt den Betroffenen in einen Schockzustand. Er kann und will es nicht begreifen.

2. Phase: Intensiv aufbrechende Emotionen

Mit der Realisierung des Verlustes können unterschiedliche Emotionen auftreten: Schmerz, Trauer, Wut, Angst und Zorn, aber auch manchmal Entspannung oder Erleichterung, z. B. wenn der Verstorbene einen langen oder schweren Leidensweg hinter sich hat. Oft entstehen auch Schuldgefühle, es kann zu Selbstvorwürfen kommen oder zu Anschuldigungen Dritten gegenüber. Fragen: „Warum?“, „Wie?“, „Hätte ich nicht …?“ oder „Hätten wir nicht …?“. Die Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Lebensende des Verstorbenen ist für den Trauerprozess sehr wichtig.

3. Phase: Suchen, finden, loslassen

In dieser Phase versucht der Trauernde einen Weg zu finden, den Verlust in sein Leben zu integrieren. Dabei können besondere Rituale des Gedenkens entstehen. In dieser Zeit wird die Beziehung zu dem verstorbenen Menschen weiter aufgearbeitet und durch die Gestaltung besonderer Momente der Erinnerung intensiviert.

4. Phase: Akzeptanz und Neuanfang

In dieser Zeit hat der Trauernde den Verlust des verstorbenen Menschen akzeptiert. Für den Hinterbliebenen beginnt nun die Zeit der neuen Orientierung. Er ist wieder bereit für das Neue und kann sich dafür öffnen. 

Der evangelische Theologe Yorick Spiegel hatte seinerzeit auch vier Trauerphasen beschrieben (Schockphase, kontrollierte Phase, Phase der Regression und Phase der Anpassung), jedoch lag sein Schwerpunkt dabei noch mehr auf der Beobachtung der Gefühle.

Gibt es den allgemeinen Verlauf einer Trauer?

Wir finden, dass jede Trauer so individuell ist wie der Mensch selbst. Es gibt dafür keine Regeln, kein Schema, kein Rezept und es gibt auch keinen allgemeingültigen „Werdegang“ für die Trauer. Der Verlust eines Menschen bedeutet für die Hinterbliebenen eine starke emotionale Belastung. Sie müssen lernen, mit der Lücke zu leben, denn diese wird sich nicht schließen. Die Trauer wird sich im Laufe des Lebens zwar verändern, aber sie wird nicht verschwinden. Jeder Mensch hat ureigene Bedürfnisse und muss seinen Weg finden, mit der Trauer umzugehen.

Thema: Trauerbewältigung

Trauer leben

Der Alltag lässt oft keinen Raum für Trauer zu. Wir sind eingebunden in unsere täglichen Pflichten. Wir sind vielleicht abgelenkt oder wir lassen uns ablenken. (weiterlesen >)

Zuversicht

Der Besuch an dem Grab bietet uns eine unverfälschte Atmosphäre für unsere Emotionen und gibt uns das Gefühl, dass der/die Verstorbene nach wie vor ein Teil unseres Lebens ist. Die menschliche Verbundenheit bleibt lebendig. (weiterlesen >)

Rituale

Jeder Mensch trauert auf seine Weise und muss für sich herausfinden, welcher Weg der Trauerarbeit am besten zu ihm passt. Oft ist es hilfreich, gewisse Rituale auch in der Gemeinschaft zu pflegen: (...) (weiterlesen >)

Friedhofsbesuch

Die Bedeutung der Friedhöfe in unserem Leben wird oft unterschätzt. Abgesehen von den kulturellen und ökologischen Gesichtspunkten ist der Friedhof jedoch für die Menschen... (weiterlesen >)

Trauerkultur

Ein Grab, das persönlich gestaltet und in Würde gepflegt wird, stellt für die trauernden Angehörigen einen wichtigen Ort für ihre Trauerbewältigung dar. Jeder Mensch, (...) (weiterlesen >)

Weitere Inhalte des THEMAS